Eine Stunde Radio im hessischen Rundfunk zum §218/219, in der ich auch etwas zu pränataler Diagnostik gefragt werde, ca. ab Minute 20.
Posts authored by Sasha
„Pränatale Diagnostik muss sich ändern“
in der taz nord vom 7. 11. 2018
taz: Frau Achtelik, gibt es unter Feministinnen verschiedene Auffassungen zum Thema Abtreibung?
Kirsten Achtelik: Nicht zum Thema Abtreibung, aber bei Abtreibungen nach pränataler Diagnostik. Der „Pro-Choice-Fraktion“ ist es am wichtigsten, den Frauen zu vertrauen und die persönlichen Gründe nicht in Frage zu stellen. Eine andere Fraktion, vor allem von Feministinnen mit Behinderungen, findet die gezielte Suche nach Abweichungen beim Fötus bedenklich.
Debatte über Bluttest?
Der pränatale Bluttest auf Trisomie 21 soll im Bundestag diskutiert werden – endlich! Im GID 247, November 2018 Seite 35 – 36
Abgeordnete aller Parteien (außer der AfD) wollen eine parlamentarische und gesellschaftliche Debatte über den pränatalen Bluttest auf Trisomie 21 als Kassenleistung anstoßen. Das bekräftigten sie auf einer Pressekonferenz Mitte Oktober. „Wir wollen ein Signal in die Gesellschaft senden, dass Behinderung und Normabweichung nicht mit Leid verbunden sind!“ Mit diesen Worten machte die Abgeordnete der Linkspartei Kathrin Vogler sehr deutlich, dass es bei der Initiative der Abgeordneten nicht nur um den Bluttest geht, sondern um die gesellschaftliche Wahrnehmung von Behinderung.
Ist pränatale Diagnostik diskriminierend?
Pränatale Diagnostik gilt unter behindertenpolitischen und feministischen Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen als ableistisch und diskriminierend. Dieses Argument findet in ethischen und politischen Debatten große Aufmerksamkeit, weil die Schlechterbehandlung von Minderheiten in demokratischen Gesellschaften als illegitim gilt. Der Diskriminierungsvorwurf wird allerdings auch als ungerechtfertigt abgelehnt, vor allem von Soziolog*innen und Ethiker*innen. Obwohl sich das Argument explizit ausschließlich gegen pränatale Diagnostik (PND) richtet, scheint der Schwangerschaftsabbruch nach einer solchen Diagnose häufig der eigentliche Auslöser für die Kritik zu sein. In diesem Text will ich das etwas unübersichtliche Diskursfeld beleuchten und den verschiedenen Argumenten nachgehen. Dazu ist eine Reflexion über einen für die Fragestellung passenden Diskriminierungsbegriff genauso nötig wie eine Präzisierung des verwendeten Modells von Behinderung. Die hier dargestellten Überlegungen eröffnen weiterführende Fragestellungen und sollen eine Grundlage für die Debatte um die diskriminierenden Effekte der PND schaffen.
Schlüsselwörter: Pränataldiagnostik, Behinderung, Diskriminierung, Ableism, soziales Modell
Im Journal für Psychologie, 26(2), 75–94, open access
Podiumsdiskussion zu PND
Mitte Oktober gab es in Dresden eine Podiumsdiskussion zu Pränataldiagnostik, zu der ich eingeladen war. Die Diskussion mit Tabea Hosche, Anne Kathrin Olbrich und mir, moderiert von Gesine Wegner, organisiert von Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen wurde vom MDR – Mitteldeutscher Rundfunk aufgezeichnet und im Internet veröffentlicht. Wer also sehen möchte, wie die Moderatorin Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung und Kulturkampf und Gewissen in die Kamera hält und ein Pränataldiagnostiker erfolglos versucht, mich zu belehren: klick.
29.11. – München
Lesung und Diskussion mit Eike Sanders und Kirsten Achtelik: Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der »Lebensschutz«-Bewegung.
Die »Lebensschutz«-Bewegung will in die Offensive: Sie möchte nicht nur die Zugänge zu Schwangerschaftsabbrüchen erschweren, sondern führt auch einen Kulturkampf zur Retraditionalisierung der Geschlechter- und Familienverhältnisse, um christliche Moral und das ärztliche Gewissen. Damit ist sie Teil eines konservativen bis extrem rechten, in Teilen antidemokratischen, Aufschwungs. Die Autor*innen analysieren in »Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der ›Lebensschutz‹-Bewegung« (erschienen im März 2018 im Verbrecher Verlag) die neuen medizinethischen Strategien der »Lebensschutz«-Bewegung, ihre Stärken, Schwächen und internen Widersprüche. Damit liefern sie das Material für eine kritische Auseinandersetzung mit den »Lebensschützern« – und die Grundlage für den nötigen Widerstand.
Ort: Glockenbachwerkstatt, Blumenstr. 7
Veranstalter: Antisexistische Aktion München
28.11. – München
Vortrag im Rahmen des Gender Salon 10 an der Uni München:
Die Frage nach Selbstbestimmung zwischen Feminismus und Pränataldiagnostik
Wie kann eine feministische Position gegen behindertenfeindliche selektive Pränataldiagnostik, aber für ein Recht auf Abtreibung aussehen? Kirsten Achtelik lotet in ihrem Vortrag das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung, Feminismus und Pränataldiagnostik aus.
Ort: Glockenbachwerkstatt, Blumenstr. 7 (barrierearm)
Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 3 Euro
Germania, l’aborto è ancora un reato. La battaglia dei sedicenti “difensori della vita”
Der Text von Eike und mir, übersetzt auf Italienisch!
In seguito alla condanna della ginecologa Kristina Hänel a seimila euro di multa per “pubblicità illegale di interruzione volontaria di gravidanza”, in Germania si è riacceso il dibattito sull’aborto, che il codice penale tedesco considera ancora un reato sebbene, a determinate condizioni, non punibile. L’attacco dei “pro vita” ai diritti delle donne si fa sempre più aggressivo, ed è ora che le femministe rivendichino: l’aborto è un diritto, non un reato.
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Es war einmal in Hadamar
Wie die »Lebensschutz«-Bewegung NS-Verbrechen instrumentalisiert. Von Kirsten Achtelik, im Neues Deutschland
Auch am nächsten Samstag wird wieder der »Marsch für das Leben« durch Berlin ziehen – vermutlich einige Tausend sich selbst als »Lebensschützer« bezeichnende junge und alte Menschen, Frauen und Männer. Die meisten von ihnen werden religiös motiviert sein, ob kirchlich-katholisch oder freikirchlich-evangelikal. Viele von ihnen werden mit ihrer Gemeinde angereist kommen. Mitlaufen werden auch Frauen, die eine Abtreibung hatten und dafür die Vergebung Gottes suchen. Dabei sein werden aber auch Menschen mit sichtbaren Behinderungen, einige von ihnen in Rollstühlen.
Know your enemy – Analyse/n und Strategien im Kampf gegen die sog. Lebensschutzbewegung
sillestha #16 Eine queerfeministische Radiostunde – Sendung mit Kirsten Achtelik und Eike Sanders zu ihrem Buch Kulturkampf und Gewissen. Medizinethische Strategien der „Lebensschutz“-Bewegung.
Wir sprechen mit zwei der Autorinnen über Positionen und Strategien der sogenannten Lebensschutzbewegung. Bereits im letzten Jahr haben wir uns bei Sillestha mit dem Spannungsfeld von Schwangerschaftsabbrüchen und Pränataldiagnostik beschäftigt. Auch AfD und Antifeminismus von Rechts waren Themen unserer Sendung. Daran wollen wir mit der aktuellen Sendung anknüpfen. Wir sprechen darüber, welche hilfreichen Analyse_Werkzeuge im Kampf gegen die sogenannte Lebensschutzbewegung zur Verfügung stehen und welche Strategien oder Allianzen wirkmächtig sein können.