Skip to content

Content Header

Für einen Krümel mehr

In: Missy Magazine (Hg.): Fickt euch! Sex, Körper und Feminismus, 192 Seiten, 09/2024, Edition Nautilus, ISBN: 978-3-96054-378-7

Textauszug: 

Hattest du mal das Gefühl, dass jemand, die*den du datest, dir Dinge verspricht, die dann aber unter undurchsichtigen Umständen nie zustande kommen? Dann bist du vielleicht Opfer von „Bread crumbing“ geworden, dem neuen heißen toxischen Dating-Scheiß nach Fremdgehen (so Neunziger, heute sind doch sowieso alle poly) und Ghosting (auch over, nachdem mir letztens ein hetcis Typ erklärte, es sei Ghosting, nicht auf ein Match zu antworten).
„Breadcrumbing“ heißt übersetzt also, der anderen Person nur Krümel zu geben, gerade so viel, dass sie bei der Stange bleibt. Beim traditionelleren Offline Dating, bei dem meist heterosexuelle cis Menschen nach festen, monogamen Liebesbeziehungen suchen, wird vor allem kritisiert, dass diese „Breadcrumber“ „nichts Ernstes“ wollten, das aber vorspielten.

 

Auf die Nerven

In: Missy Magazine (Hg.): Fickt euch! Sex, Körper und Feminismus, 192 Seiten, 09/2024, Edition Nautilus, ISBN: 978-3-96054-378-7

Textauszug: 

Wenn ich mir selbst die Fingernägel in die Haut ramme, spüre ich an vielen Stellen meines Körpers kaum etwas. Das ist bedauerlich, weil ich auf Schmerzen stehe – wenn sie mir andere während eines Plays einvernehmlich zufügen. Außerdem ist es gefährlich, weil Schmerzen Warnsignale des Körpers sind. Ohne diese merkt eins nicht, ob Wasser zu heiß oder ein Schlag zu hart ist. Diese Missempfindungen sind häufige Nebenwirkungen von Chemotherapie, der Fachbegriff dafür lautet Polyneuropathie. Sie äußert sich vor allem an Händen und Füßen durch Kribbeln, Empfindungs- und Funktionsverlust oder Schmerzen und kann auch chronisch werden.

 

 

Wie man einen Raum für Sex baut

Eine Innenarchitektin gestaltet Sexrooms in einer Reality-Serie auf Netflix. Sie zeigt sich offen für verschiedene Arten von Sexpositivität und Kink. taz vom 27. 7. 2022

Wer hätte nicht gerne einen eigenen Raum nur für Sex und Play, professionell eingerichtet nach eigenem Geschmack und Vorlieben? Dieses Szenario ist der Kern der neuen Realityserie „How to build a Sexroom“, in der die Innenarchitektin Melanie Rose für Netflix „Sexrooms“ gestaltet. Angesichts der Wohnungskrise vielleicht etwas dekadent, das macht die acht Episoden der Netflix-Dokuserie aber umso geeigneter für eskapistischen Konsum gewürzt mit ein bisschen Neid.

Die Ma­che­r*in­nen der Serie haben sich bei der Auswahl der Prot­ago­nis­t*in­nen sichtlich Mühe gegeben. Neben heterosexuellen weißen und schwarzen Paaren werden ein schwules und ein lesbisches Pärchen, eine alleinstehende Frau, ein Paar, bei dem eine Person als Pronomen they verwendet und eine Polykonstellation mit sieben Personen vorgestellt. Net­flix muss sich auf dem Feld auch Mühe geben: Im letzten Jahr war die Streaming-Plattform heftig für transfeindliche Aussagen des Comedian Dave Chappelle und die Entlassung der*s nicht­bi­nä­re*n Angestellten B. Pagels-Minor kritisiert worden.

Für die Show ist die sexuelle Orientierung der Prot­ago­nis­t*in­nen nicht wichtig, dafür ihre sexuellen Kinks und Vorlieben. Den meisten ist wichtig, dass sie „keinen Dungeon!“ haben wollen, wobei sie sich darunter ein Verlies oder einen frühneuzeitlichen Folterkeller vorstellen.

mehr … Wie man einen Raum für Sex baut

Dating unter Chemo

Krebserkrankung, kräftezehrende Behandlung und nicht alltägliche Sexualpraktiken, wie geht das zusammen? Ein Erfahrungsbericht in Neues Deutschland, 09.10.2021

Willkommen im Club: Etwa 69 700 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs, damit ist es die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Meine Clubaufnahme erfolgte etwas abrupt im Mai 2021. Da war der Tumor schon größer als meine Brust vorher gewesen war, trotzdem hatte ich den Klotz bis zur Mammografie und anschließender Biopsie für harmlos gehalten. Mit der Krebsdiagnose schien das »normale« Leben dann erst mal vorbei: Der Schock will überwunden werden, viele Menschen müssen es erfahren, man muss sich über vieles informieren und Unterstützungsstrukturen aufbauen. Von einigen Seiten wird die Erwartung an einen herangetragen, alle Energie auf den Heilungsprozess zu richten: Die Betroffenen werden angeregt, sich mit gesunder Ernährung, Entspannungstechniken und Sport zu beschäftigen. Arbeit und Sexualität gelten als Beschäftigungen, von denen sich die Patient*innen wahrscheinlich erst mal verabschieden müssen.

Bei meinem ersten Gespräch mit der Ärztin, die die Chemotherapie begleiten und beaufsichtigen würde, habe ich mir notiert: »Libido geht wohl den Bach runter.« Das Thema hatte ich in dem Aufklärungsblock über die ausbleibende Menstruation während der Chemotherapie angesprochen, und ihre Antwort hat mich mehr beunruhigt als manch andere potenzielle Nebenwirkung.mehr … Dating unter Chemo