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barrierefrei

In: Anna Pollmann, Christopher Möllmann (Hg.): Schlüsselbegriffe gesellschaftlichen Zusammenhalts. Ein kritisches Vokabular, 864 Seiten, 06.2025
ISBN (Open Access) 978-3-8353-8117-9
ISBN (Print) 978-3-8353-5697-9
Wallstein Verlag, Seite 110-127 
DOI https://doi.org/10.46500/83535697

Textauszug: 

»Ja, die Veranstaltung ist barrierefrei! Wir freuen uns, wenn Sie
kommen.« Gut, zwar musste man für diese Information eine Mail an
die Veranstaltenden schreiben, aber immerhin: man kann als Person
mit Behinderung offenbar teilnehmen. Wenn man dann ankommt
(verspätet, weil ein Aufzug kaputt war), gibt es nur eine »ganz kleine
Stufe« (»Huch, das ist schon ein Problem, ach, das schaffen wir doch
zusammen!«), ist der Veranstaltungsraum so eng bestuhlt, dass der
Rollstuhlnutzende ganz vorne vor allen anderen sitzen muss, ist die
Toilette zu klein, gibt es keine Gebärdensprachdolmetschenden, ist
der Vortrag ist in einem komplizierten Deutsch mit vielen Fach- und
Fremdwörtern. Es gibt keine Verschriftlichung und keine visuelle
Unterstützung, keinen Rückzugsraum, keine Luftfilter, niemand
trägt eine Maske, das Saalmikrofon ist für stehende Menschen
aufgebaut – auf wie viele Barrieren trifft man in einer Veranstaltung,
die die Veranstaltenden für barrierefrei halten?
Sicherlich hätte die Person mit Behinderung konkreter nachfragen
können, ob es die Hilfsmittel gibt, die sie braucht und
konkrete Barrieren benennen können, die sie persönlich behindern.
Dann hätte sie falsche Erwartungen reduzieren können. Und selbst
mit diesen Anstrengungen wäre dann die Veranstaltung zwar für die
anfragende Person barrierefreier geworden, aber für andere noch
lange nicht.

… mehr hier (open access, PDF)

Für einen Krümel mehr

In: Missy Magazine (Hg.): Fickt euch! Sex, Körper und Feminismus, 192 Seiten, 09/2024, Edition Nautilus, ISBN: 978-3-96054-378-7

Textauszug: 

Hattest du mal das Gefühl, dass jemand, die*den du datest, dir Dinge verspricht, die dann aber unter undurchsichtigen Umständen nie zustande kommen? Dann bist du vielleicht Opfer von „Bread crumbing“ geworden, dem neuen heißen toxischen Dating-Scheiß nach Fremdgehen (so Neunziger, heute sind doch sowieso alle poly) und Ghosting (auch over, nachdem mir letztens ein hetcis Typ erklärte, es sei Ghosting, nicht auf ein Match zu antworten).
„Breadcrumbing“ heißt übersetzt also, der anderen Person nur Krümel zu geben, gerade so viel, dass sie bei der Stange bleibt. Beim traditionelleren Offline Dating, bei dem meist heterosexuelle cis Menschen nach festen, monogamen Liebesbeziehungen suchen, wird vor allem kritisiert, dass diese „Breadcrumber“ „nichts Ernstes“ wollten, das aber vorspielten.

 

Auf die Nerven

In: Missy Magazine (Hg.): Fickt euch! Sex, Körper und Feminismus, 192 Seiten, 09/2024, Edition Nautilus, ISBN: 978-3-96054-378-7

Textauszug: 

Wenn ich mir selbst die Fingernägel in die Haut ramme, spüre ich an vielen Stellen meines Körpers kaum etwas. Das ist bedauerlich, weil ich auf Schmerzen stehe – wenn sie mir andere während eines Plays einvernehmlich zufügen. Außerdem ist es gefährlich, weil Schmerzen Warnsignale des Körpers sind. Ohne diese merkt eins nicht, ob Wasser zu heiß oder ein Schlag zu hart ist. Diese Missempfindungen sind häufige Nebenwirkungen von Chemotherapie, der Fachbegriff dafür lautet Polyneuropathie. Sie äußert sich vor allem an Händen und Füßen durch Kribbeln, Empfindungs- und Funktionsverlust oder Schmerzen und kann auch chronisch werden.

 

 

#OneTit statt #Tumortitte

In: Linus Giese, Miku Sophie Kühmel (Hg.): Brüste. Eine Anthologie, 2024, 176 Seiten, gebunden, Klett-Cotta, ISBN: 978-3-608-50249-7

Textauszug: 

Ich habe eine Brust. Ich schreibe nicht: „Ich habe noch eine Brust“, oder: „Ich habe nur eine Brust.“ Ich will mit dem Satz keinen Verlust ausdrücken, ich will auch nicht suggerieren, dass sich an diesem Zustand noch etwas ändern wird – ich will einfach nur meinen Oberkörper beschreiben.

Einen etwas ungewöhnlichen Oberkörper, zugegebenermaßen. In meiner linken Brust wuchs 2021 ein Tumor – bösartig, groß und aggressiv. Meine Brüste waren nicht besonders groß, jeweils so eine knappe Handvoll. Der Tumor war zu dem Zeitpunkt, als der Krebs diagnostiziert wurde, größer als es meine Brüste je gewesen waren – meine linke war dadurch deutlich angeschwollener und praller als meine rechte. Während der Chemotherapie schrumpfte der Tumor, wie er sollte….

Seddinsee

In: Janina Johannsen (Hg.): Die besten Badeseen rund um Berlin. Über 100 Badestrände und lauschige Buchten. 168 Seiten, 2. komplett überarbeitete, erweiterte und neugestaltete Auflage, Berlin 2022, ISBN: 978-3-949138-16-4, via reisen

Textauszug:

Ein schönes Ausflugsziel im Berliner Südosten bietet der 370 Hektar große Seddinsee. Mit der Tram ist
sein südwestliches Ufer gut zu erreichen. Er eignet sich aber vor allem als Teil einer größeren Radtour, von
Alt-Schmöckwitz bis nach Gosen und wieder zurück, immer am Südufer entlang. Nur einmal muss man
den Uferweg kurz verlassen, um mithilfe einer kleinen Brücke den Oder-Spree-Kanal zu überqueren.
Das Gewässer und die umliegenden Wälder bieten anregende Naturerlebnisse und mit seinen
kleinen schattigen Buchten vor allem an der Süd- und Ostseite auch Gelegenheit zum Baden. …

„Für Föten und Werte. Die ‚Lebensschutz‘-Bewegung in Deutschland“

In: Juliane Lang, Ulrich Peters (Hg.): Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt
ISBN 978-3-944442-52-5
2018 336 Seiten, S. 117-139, 20,00 € (D), Marta Press

Textauszug:

Diskussionen darum, wie die Instrumentalisierung  behinderten- und biopolitischer Themen durch radikale Abtreibungsgegner/innen wirksam entgegengetreten werden kann, oder darüber, wie eine emanzipatorische feministische Position zu Behinderung, pränataler Diagnostik und selektiven Schwangerschaftsabbrüchen aussehen könnte, nehmen sowohl unter (Queer) Feminist_innen  als  auch  unter  Kritiker_innen  von  selektiver pränataler Diagnostik zu.  Durch die wachsende Mobilisie- rung wertkonservativer Kräfte, sei es bei den Besorgten Eltern, den Demos für Alle, den verschiedenen -gidas, den »Märschen für das Leben« oder den Wahlerfolgen der AfD ist die Versuchung groß, alle linken, feministischen  und emanzipatorischen Kräfte unter dem Label der Selbstbestimmung sammeln zu wollen. Dadurch besteht aber die Gefahr, die ambivalenten, prob- lematischen und antiemanzipatorischen Konnotationen dieses Konzeptes für die gemeinsamen Sache und das größtmögliche Bündnis auszublenden. »Selbstbestimmung« jedoch ist kein eindeutig emanzipatorischer, positiver Begriff, sondern ein ambivalenter, der in Richtung optimierter Selbstverwertung und konsumistischer Wunscherfüllung offen ist. Diese individualistischen und neoliberalen Implikationen des Begriffs beeinträch- tigen sein Potential, zur radikalen Veränderung gesellschaftlicher, sozialer und ökonomischer Machtverhältnisse beizutragen.

„Ein Volk stirbt im Mutterleib“

In: Markus Liske / Manja Präkels (Hg.): Vorsicht Volk! Oder: Bewegungen im Wahn?
ISBN 9783957321213
2016, 192 Seiten, S. 88-94, 18,00 Euro, Verbrecher Verlag
Auch als E-Book in allen einschlägigen Stores erhältlich (Epub / Mobipocket für 11,99 €).
 
Textauszug:

Neben der Angst vor Ausländern (Pegida), Muslimen (HoGeSa) oder der „Frühsexualisierung von Kindern“ (»Besorgte Eltern«) haben „Lebensschützer“ vor allem Furcht davor, dass „die Deutschen aussterben“ könnten. Nicht nur Einwanderung, sondern vor allem die Frauen wollen radikale Abtreibungsgegner_innen kontrolliert wissen. Das Zuviel an „Fremden“ führen sie vorrangig auf ein Zuwenig an „deutschen“ Kindern zurück. Das christliche Abendland, das die Patriot_innen in Dresden retten wollen, entfaltet sich somit auch auf den „Märschen für das Leben“, sei es als Gebetsprozession wie in Münster oder als Schweigemarsch wie in Annaberg-Buchholz.

Gegen die „Märsche für das Leben“ – eine Erfolgsgeschichte

in: Familienplanungszentrum – BALANCE (Hg.): Die neue Radikalität der Abtreibungsgegner_innen im (inter-)nationalen Raum. Ist die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen heute in Gefahr?
ISBN 978-3-940865-32-8
2012, 95 Seiten, S. 84-87, 14,00 Euro, AG Spak

Textauszug:

Seit 2008 kommt es in mehreren deutschen, österreichischen und Schweizer Städten zu Mobilisierungen gegen die alljährlichen Demonstrationen der selbsternannten Lebensschützer_innen. Berlin, München, Freiburg und Münster, Wien, Graz, Salzburg und Zürich – linke, antifaschistische und (queer)feministische Gruppen demonstrieren gemeinsam mit Frauenberatungsstellen gegen fundamentalistische Christ_innen und Abtreibungsgegner_innen. Diese Mobilisierungen setzen zum einen den Aktionen der Abtreibungsgegner_innen erstmals öffentlichen Protest entgegen, zum anderen gaben sie auch Anstöße zur Vernetzung von Gruppen, die bislang nicht zusammengearbeitet haben. Darüber hinaus haben diese Proteste eine erneute Auseinandersetzung mit Abtreibung und reproduktiven Rechten angeregt, die in linken und (queer)feministischen Kreisen lange nicht mehr geführt wurde.